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Mittwoch, 27. Oktober 2010

ein goldenes gefühl – sicherheit

das leben ist ein ständiger fluss, alles ist in stetigem wandel. manches ändert sich einmal im lauf des lebens, anderes öfter – bisweilen sogar täglich. das macht vielen menschen angst. sie wollen, dass alles so bleibt, wie es ist. schlimmer noch: womöglich soll alles so bleiben, wie es schon immer war. dabei vergessen sie, dass auch die dinge und angelegenheiten und vor allem die menschen, wie wir ihnen heute begegnen, nur durch wandel geworden sind.

rettungsring: seebrücke heiligendamm

wandel aber darf in deren augen nicht sein, denn dann könnte womöglich das, was ihnen jetzt lieb und teuer ist, die goldenen schätze ihres lebens, sich ändern, verschwinden, zu etwas für weniger wertvoll gehaltenem werden. dabei ist auch die frage wichtig, was denn wertvoll überhaupt ist. muss es messbar, vergleichbar sein? ist ein lottogewinn wertvoller als das lächeln eines geliebten menschen? wir entscheiden selbst!

gegen das darfnichtsein des wandels gibt es versicherungen, zu kaufen an jeder straßenecke, in jeder form und für alles denkbare, ja sogar undenkbare. ganz schlaue verkaufen versicherungen für die unwandelbarkeit von dingen, die es noch gar nicht gibt. für die sich also erst noch etwas wandeln müsste, damit sie überhaupt entstehen können. welch ein selbstbetrug!

das einzig sichere am wandel ist, dass wir ihn nicht planen können. wenn die angst vor dem wandel zur angst wird, dass die welt sich nicht im geplanten sinne wandele – dann wird das bedürfnis nach sicherheit zur absurdität, die angst vor der unsicherheit wächst ins unermeßliche.

wenn aber nichts sich wandeln darf, dann kann – konsequent logisch gedacht - auch nichts mehr besser werden, sich zum guten wenden. welch eine schreckliche vorstellung, welch ein gefängnis!

allein durch die ängste vor dem wandel wird das goldene gefühl von sicherheit zu einem unerreichbaren ideal. das ist fataler irrtum: denn wir haben jede menge sicherheit im leben, goldene momente im hier und jetzt. genau jetzt ist das, was ich in händen halte oder im kopf habe, mir sicher. und jetzt. und jetzt. nicht gestern, nicht morgen. es ist eine frage der inneren einstellung und der eigenen entscheidung, täglich aufs neue sich im wandel der welten sicher und golden zu fühlen.


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Mittwoch, 20. Oktober 2010

50 jahre

ein halbes jahrhundert. unvorstellbar. noch älter als ich ist dieser alte toaster, der ein hochzeitsgeschenk für die eltern war.

wendetoaster: rowenta, 1960

es handelt sich um einen klappen- oder wendetoaster modell E5214 von rowenta, noch produziert im von robert weintraud 1884 gegründeten stammwerk in offenbach, bevor die firma anfang der 60er jahre von amerikanischen investoren übernommen wurde. der ist also noch richtig gute ‚deutsche wertarbeit‘ sozusagen.

trotzdem hat dieser toaster in der familie meiner kindheit regelmäßig für ärger gesorgt. die brotscheiben darin werden ‚halbautomatisch‘ gewendet, indem man die klappe weit nach unten öffnet. dann dreht sich das brot wie von selbst. aber es gibt weder timer noch abschaltautomatik, die toasts wollen immer beobachtet und im genau abgepassten augenblick gewendet sein.

die mutter war damit oft überfordert, weil sie gleichzeitig noch die eier mit speck zubereiten, kaffee kochen, frühstückstisch decken, den kohleofen einheizen, die lockenwickler aus den eigenen haaren nehmen, uns wecken und den vater aus dem bett locken musste.

immer wieder wurden ihr die toastscheiben kohlpechrabenschwarz. den brotkoks haben wir dann mit einem messer über dem spülstein abgeschrappt. wenn der geruch kippte von duftendem golden toast zum angebrannten brot, wussten wir, dass spätestens da auch mutters sonntagslaune gekippt war.

der alte 'turn-over' ist also weder praktisch noch pflegeleicht, deswegen wurde er irgendwann gegen ein anderes modell ausgetauscht: eines, das die fertig getoasteten scheiben auswirft, sobald sie die gewünschte bräunung haben.

trotzdem liebte ich den rowenta heiß und innig. vielleicht, weil er den eltern nicht gut genug war. da hatten wir etwas gemeinsam. vor allem aber deshalb, weil nicht nur genormte toastscheiben reinpassen, sondern auch mal ein halbes brötchen, auch kanten oder unegal abgeschnittene brotscheiben. weil er mich achtsamkeit lehrt und konzentration.

als ich mit achtzehn jahren in eine eigene wohnung zog, nahm ich den alten toaster mit und wieder in betrieb. er ist mir bis heute treu geblieben.

ich habe ihn aber auch nie verraten. einmal hat die mutter mir einen ihrer ‚praktischen‘ automatik-toaster aus dem ewigen quelle-katalog geschenkt. ich habe die annahme verweigert. die mutter verstand das nicht. die mutter verstand mich nicht.

in den dreißig jahren, die wir miteinander verbracht haben, mein toaster und ich, habe ich oft das chrom poliert, die elektrik ein paar mal repariert, abgebrochene bakelit-teile wieder angeklebt, ihm eine neue schnur spendiert.

das erstaunliche ist nicht, dass ich dieses oder andere geräte – wie die 20-jährige caffettiera zum beispiel - schon so lange in meinem haushalt habe. erschreckend ist vielmehr, dass ich schon so alt bin, dass die dinge so lange bei mir gewesen sein können.

was wusste ich denn mit achtzehn, werwiewo ich mit ende vierzig sein würde? dass dann alles anders wäre, als ich es mir als teenager erträumte – dass ausgerechnet dieser toaster aber unverändert dabei wäre?

zu meiner herkunftsfamilie habe ich ‚aus gründen‘ seit jahren keinen kontakt mehr. trotzdem habe ich natürlich gewisse daten im kopf. die eltern begehen heute goldene hochzeit. ohne den toaster.

wir wünschen - trotz allem - liebe, gesundheit und glück aus der ferne und feiern hier ein eigenes fest: herzlichen glückwunsch zum 50. geburtstag, mein toaster!


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Sonntag, 17. Oktober 2010

rituale no. 2 – la caffettiera

ich schrieb es schon mal zu anfang des jahres, als ich von meinem sonntagsfrühstück berichtete, dass mir rituale - also die kleinen selbstgewählten regelmäßigkeiten im alltag - halt geben.

hat eigentlich irgend eineR von euch gemerkt, dass ich da im februar ein kochrezept verbraten habe? so weit war es gekommen mit mir! ‚damals‘ gehörte ich zur arbeitenden bevölkerung, meine akkus waren ziemlich leer: eier mit speck füllten meine kreativen lücken.

espressokocher: VeV viganò, 1990

zur zeit bin ich wieder freie radikale. das bedeutet: ich produziere drei bis vier texte in der woche, gebe kurse zwei bis drei mal im monat. den rest der zeit bin ich damit beschäftigt, meinen alltag zu organisieren, irgendwie wieder boden unter die füße zu bekommen und diese bodenhaftung dann auch möglichst zu behalten.

rituale sind da ganz besonders wichtig, weil sie mir helfen, struktur in mein leben zu bringen. die bereits erwähnten ‚eier mit speck‘ gibt es bei mir ungefähr einmal in der woche. es gibt auch rituale, die finden täglich statt. ganz regelmäßig, ohne ausnahme.

die rede ist von meinem allerliebsten lieblingsritual. damit beginnt mein tag. ein tag, der so nicht beginnt, ist keiner:

das kaffeekochen. mit dem italienischen espressokocher. seit dreißig jahren geht das schon so. quasi jeden morgen. verschone mich bloß mit filterkaffee!

meine erste caffettiera bekam ich mit achtzehn. von einem italienischen freund aus rom. die war noch aus aluminium, in der typischen achteck-form, per due tazze. bei uns im rheinland kannte man das damals noch nicht. für die ersatzteile fuhr ich ‚mal eben‘ nach roma. den schlüssel für die wohnung in tiburtina hinter der stazione termini besitze ich noch heute.

später wurden meine espressokocherinnen größer. die aktuelle ist aus edelstahl, natürlich aus italien, sechs tassen. sie bedient mich seit zwanzig jahren mehrmals täglich. es ist jeden morgen dasselbe in meiner kleinen zwergenküche, ein fest einstudierter tanz:

caffettiera von der anrichte nehmen. vierteldrehung nach rechts. ober- und unterteil auseinanderschrauben. sieb herausnehmen. kaffeerest vom vortag in den müll schnicken. alle teile kurz abspülen. trocknen. wasser ins unterteil einfüllen. vierteldrehung links. unterteil absetzen. sieb einsetzen. halbe drehung rechts: kaffeedose mit links vom regal nehmen. den kaffeelöffel, der immer obenauf liegt, in die andere hand. halbe drehung zurück nach links, derweil den deckel von der dose abnehmen. drei portionen pulver ins sieb füllen. kaffeelöffel leicht auf den siebrand schlagen, damit letzte pulverkörnchen abfallen. halbe drehung nach rechts. derweil deckel auf die kaffeedose drücken. dose im regal abstellen und löffel obenauf legen. viertel drehung nach links. caffettiera-oberteil von der spüle nehmen. viertel drehung nach links. oberteil aufs unterteil schrauben. gut festzurren. dabei richtigen drehmoment abpassen.

dann wird‘s sportlich: griff nach links oben, leichte körperdehnung: da steht der rote campinggaskocher im regal. der espresso muss aufs feuer. in berlin hatte ich gasherd und passende verkleinerungsringe. hier in dreyeckland südwest habe ich nur eletroherd. schrecklich. damit kann man aufwärmen, aber nicht kochen. erst recht keinen kaffee. etwa alle zehn bis vierzehn tage braucht der kocher eine neue kartusche.

den gaskocher auf die anrichte stellen. caffettiera obenauf mittig ausrichten. anzünden mit streichholz. feuer zu feuer. ende des ersten akts.

es geht gleich weiter mit einer halben drehung und griff nach rechts rückwärts: die stehen die großen milchkaffeeschalen im regal. die lieblingstasse für den tag auswählen, körperdrehung zurück, tasse abstellen. vierteldrehung nach links, kühlschranktüre öffnen, milchtüte aus der tür nehmen, kühlschranktüre schließen. etwas milch in die tasse füllen. dabei zähle ich bis drei. dann ist immer gleich viel milch in der großen tasse. milchtüte zurück in den kühlschrank.

die schöne tasse mit dem schluck milch kommt jetzt für dreißig sekunden in die mikrowelle. dann ist die milch warm, die tasse ebenso. nichts ist schlimmer, als heißen kaffee in eine kalte tasse zu füllen. pfui!

bis der kaffee sich gemacht hat, haben wir eine kurze pause. zeit genug, um das katzenfutter zu richten oder die spülmaschine auszuräumen.

wenn der espresso aus dem röhrchen sprotzelt und faucht – oh wie ich dieses geräusch liebe, und erst den duft dazu! - dann wird die milch mit dem schneebesen schaumig gerührt. hauptsache, die milchhaut ist mikroskopisch klein zerstückselt. die mag ich nämlich nicht.

dann den espresso schwungvoll hinein, möglichst nach latte art ein herzchen in den schaum dekoriert. caffetiera abstellen, den feuerwehrroten gaskocher wieder hoch ins regal mit leichter drehung und dehnung nach links oben. zurück auf den boden, griff ins regal geradeaus hinter dem herd: kleine kakaowolke auf den milchschaum stäuben. fertig.

und dann. dann! jaaaaa!

während ich dies schrieb, habe ich zwei mal kaffee gekocht. es ist aber auch zu schön.


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Mittwoch, 13. Oktober 2010

kaffeehaus

das tal versinkt im herbstnebel, mein büro ist heute völlig aussichtslos. nicht mal mehr die kirche ist noch im dorf.


was bin ich da froh, dass ich - gestern erst! – mir den luxus einer sonnigen kaffeehaussitzung gegönnt habe. für viele menschen ist das nichts besonderes, die machen das jeden tag. früher war das bei mir nicht anders. die lebensumstände haben sich geändert.

wenn eine am prekären rand der gesellschaft lebt, will jedes ‚die wohnung verlassen‘ sehr gut überlegt und geplant sein, denn es ist (fast) immer mit ‚geld ausgeben‘ verbunden: „wenn ich heute da und da hinfahre, reicht das benzin im tank dann in der kommenden woche noch für den arztbesuch in der stadt?“

ich hasse diese erbsenzählergedanken, aber ich muss sie mir machen. auf dem land sind die wege weit, ich habe nicht immer die kraft, alles mit dem fahrrad zu erledigen.

[.... genau an dieser stelle muss ich beim ‚schreiben im nebel‘ jetzt sehr sehr aufpassen, dass mir nicht nur jämmerliche gedanken und „esistallessoanstrengendleerundlieblosinmeinemleben“-sätze in die tastatur wollen. das ist schrecklich! vier mal schon habe ich neu angefangen mit meinem heutigen text]

also noch mal von vorne:

gestern war ein milder sonniger herbsttag. ich war mit dem rad in der großen stadt zu einem arzttermin. frühmorgens losgeradelt bei temperaturen knapp über null (auf den autoscheiben war noch frost), eingepackt in handschuhe, schal und mütze, konnte ich am mittag ohne jacke draußen bei fast 20 grad in der sonne sitzen. wonne!

kaffeehaussitzungen sind für mich selten geworden. ich tue dann so, als wäre ich im urlaub, nehme mein notizbuch und schreibe auf, was ich sehe, was ich denke.... nix literarisches, eher geschriebene skizzen. so, wie andere leute fotografieren oder bilder malen.

das 'schreiben in cafés' begleitet mich seit mehr als dreißig jahren. immer, wenn ich alleine unterwegs bin. viele meiner tagebücher sind an kaffeehaustischen entstanden. wenn ich das heute noch einmal lese, erinnere ich mich an die schönen aussichten von damals. und an das strahlende lächeln charmanter kellner, die mir den milchkaffee servierten, als wäre es der hauptgewinn im lotto.

wenn ich mit begleitung im café sitze, dann gucke ich gern leute und lästere übers volk. das hat mir mein arzt verordnet. ich soll auf keinen fall immer nur probleme wälzen und psychologisieren. „Das ist Gift für die Seele! Setzen Sie sich mit der besten Freundin auf einen Ausflugsdampfer, ziehen sie über die anderen Passagiere her und machen sich einen lustigen Nachmittag!“ das hat der gesagt. damals, in berlin.

ohne begleitung ist das schwer möglich: ich bin zu schüchtern, um laute selbstgespräche zu führen. also schreibe ich alles auf. das ist sehr erholsam für mein herz, ein kurzes ausruhen vom kargen leben im prekariat. tiefes aufatmen von der oft schwierigen organisation des alltags.

kaffeehaussitzungen zählen zu den besonderen maßnahmen. ich versuche, mir das so oft wie möglich zu schenken: der kleine luxus eines milchkaffees auf der sonnenseite gehört zu meinen lebensnotwendigkeiten. auch wenn die aussichten nicht mehr so schön sind und das lächeln der kellner gerade noch für einen trostpreis reicht.


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Donnerstag, 7. Oktober 2010

vertrauenssache

es hat ein bißchen was von schlaraffenland. ich gehe im dorf spazieren oder bin mit dem rad unterwegs im markgräflerland. immer wieder sehe ich da unterwegs ein tischlein-deck-dich - am straßenrand, an der hausecke, vor einer gartenmauer ....

weinbeeren: gutedel

je nach jahreszeit frisch bestückt mit allem, was der private garten gerade so hergibt – und was die gärtnerin im augenblick selbst nicht verwerten kann.

jetzt im herbst sind das weinbeeren, kürbisse, äpfel, nüsse. im frühjahr spargel, erdbeeren oder kirschen. blumen der saison aus dem bauerngarten. im sommer gemüse und kräuter, frisch gekochte marmeladen und gelees, manchmal in abenteuerlichen kombinationen wie zum beispiel birne-rosmarin.

früchte und gemüse: markgräflerland

immer liegt eine preisliste dabei. oder es kleben kleine schilder auf der ware. eine kasse steht auf dem tisch, manchmal eine kaffeedose mit schlitz im deckel oder ein sparschwein. kein mensch weit und breit. das bißchen, was der garten übrig hat, reicht nicht für einen eigenen laden, geschweige denn für den verkauf irgendwo anders.

die ernte teilen: herbst 2010

die dorfbewohner teilen ihre ernte mit den nachbarn. wie ich das liebe! ich nehme, was mir gerade in den speiseplan passt, freue mich riesig über frische ware, zudem meist noch bio – und zähle mein kleingeld passend ab.

dieses vertrauen rührt mich so sehr an, dass ich es mit dem herzen kaum fassen kann. und nie, aber auch wirklich niemals käme ich auf die idee, an einem solchen ort die zeche zu prellen.


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Sonntag, 3. Oktober 2010

beige

„werd‘ bloß nicht beige!“ greinte meine freundin neulich, als ich ihr mein neuestes werk vorführte. nicht, dass ich so eine olle strickliesel wäre. aber manchmal, dann packt es mich: ich muss was mit den eigenen händen machen, weil ich dringend ein vorzeigbares ergebnis brauche, um meine existenz zu spüren.

pulswärmer: silky madil / lenpur

in solchen momenten steige ich in meine kochtöpfe, werfe die nähmaschine an oder hocke mich mit den stricknadeln vor die glotze. keine angst – das büro für besondere maßnahmen wird jetzt nicht zum do-it-yourself blog. ich erkläre auch nicht im détail, wie ich diese zauberhaften pulswärmer aus seidiger bambus-viskose mit einer satin-rosenapplikation auf der herzensseite fabriziert habe. die farbe? helllichtsandeierschale, würde ich mal sagen. aber beige ist das ganz sicher nicht!

die bemerkung meiner freundin jedenfalls brachte mich zum nachdenken und beobachten. tatsächlich habe ich festgestellt: mit steigendem alter nimmt bei gewissen menschen die vorliebe für natur- und erdtöne zu.

beige ist ja nicht nur keine farbe, sondern bisweilen auch synonym für „farblos und langweilig“, bedeutet im übertragenen sinne „freudlos und unflexibel“. in der reha habe ich das ganz klar erlebt. da ertrank ich fast in einem meer von beigen zeitgenossen. undefinierbar unauffällig. dazwischen ich und ein paar andere bunte vögel, die misstrauisch abwertend beäugt wurden.

beige kommt daher mit dem attribut „pflegeleicht“. in allen schattierungen, und spätestens mit den wechseljahren. da schüttelt‘s mich! ich bin weder knitterarm noch faltenfrei! schließlich habe ich mir erst vor kurzem eine neue schwarze lederjacke zugelegt. ich bin doch keine isabell!

tatsache ist, dass ich schon vor einer ganzen weile beschlossen habe, meinen seit mehr als drei jahrzehnten fast durchgängig schwarzen kleiderschrank farblich ein wenig aufzulockern. das ist harte arbeit, weil ich aus alter gewohnheit meistens dann doch wieder mit etwas kleinem schwarzen nach hause komme.

was kombiniert sich gut mit schwarz? richtig. ungefärbte naturmaterialien. erdtöne. sagte die farbberaterin meines vertrauens. au weia. das war ein schock! zum glück steht mir aber auch petrolgrünmeerblau ganz hervorragend. und rot erst! zwischen radikalschwarz und farblosbeige gibt es also eine menge bunter zwischentöne, und ich werde hoffentlich noch lange damit beschäftigt sein, die alle auszukosten.

nebenbei frage ich mich, ob diese beige angelegenheit nicht auch ein eher deutsches „phänomen“ ist. in anderen ländern ist mir das nie aufgefallen, dass die kleidung mit dem alter der trägerInnen farbloser wird. aber vielleicht liegt das auch daran, dass die deutschen oft so graue gesichter haben, verbittert wirken und so wenig lachen. dann ist es ganz egal, welche farben sie tragen – es fühlt sich ‚immer irgendwie beige‘ an.

damit aber liegen die deutschen durchaus im universellen trend. die farbe des gesamten kompletten universums ist nämlich – na was wohl? beige! das haben die sternengucker herausgefunden. astronomen nannten die farbe freundlich „cosmic latte“.

ich fass es nicht! muss ich jetzt doch beige werden? oder bin ich es etwa schon!?

schnell noch ein milchkaffee. einen ganz irdischen, bitte!


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