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Dienstag, 30. November 2010

no/sun – no/fun – no/vember

der november wäre dann auch mal wieder so gut wie geschafft: mein maus/grau-sigster monat von allen. die welt da draußen hat alles bunte verloren. wo neulich noch mein herbstberg golden leuchtete, deutschgraut es mir heute undurchsichtig schwarzweiß.

paulownia tree in winter

ausgerechnet an einem so farblosen tag liegt ein brief von der rentenversicherung im postkasten. wie es mir denn ergangen sei in und nach der reha von juli bis september? vierzehn seiten fragebogen soll ich ausfüllen, natürlich freiwillig und anonym „unter einbeziehung von bereits über mich vorliegenden daten“. aha.

ausgerechnet von fragebögen habe ich leider die nase voll. erst recht seit meinen sechs wochen klinikaufenthalt im sommer im schönen heiligendamm an der malerischen ostostsee.

dort habe ich nämlich auch zig-seitenweise fragebögen zum ausfüllen gekriegt. kleinst gedruckt. von meiner ärztin war mir versichert worden, dass ich all die vielen fragen nur beantworten solle, damit sie mir besser helfen könne. ich war nämlich skeptisch und hatte bedenken angemeldet, dass die vielen persönlichen daten und aussagen dann unangemessenerweise bei der rentenversicherung landen könnten.

die antwort: wenn ich die fragebögen nicht ausfüllte, würde man mich zwar nicht wegen mangelnder kooperation nach hause schicken, aber man könne dann eben auch nicht so gut auf meine individuellen gesundheitlichen probleme eingehen. aha.

ich wollte geholfen werden und füllte aus so gut ich konnte. natürlich nicht, ohne ein paar antworten auf viel zu private fragen ein bißchen zu frisieren. manche sachen gehen einfach niemanden etwas an und hatten auch mit meiner diagnose nichts zu tun. etwa, ob ich rote unterwäsche bevorzuge oder schwarze oder weiße (diese frage gab es nicht – aber so ähnliche). bei solchen fragen darf man schummeln .

die folge meiner vertrauensseligen kooperation war, dass man mir dann doch nicht so richtig helfen konnte. statt dessen wurde eine große menge willkürlich zusammengetragener und für den erfolg der reha absolut unerheblicher sozialdaten über mich an die rentenversicherung weitergegeben.

zum beispiel hatte ich meiner klinikärztin mal im vertrauen erzählt, dass ich meine jüngere schwester für ein intrigantes biest halte und dass ich es schon als kleines mädchen sehr schwierig fand, mit ihr auszukommen.

jetzt steht genau das wörtlich im abschlussbericht der klinik an die rentenversicherung. juchhei. wenn es denn der gesundheitsfindung dient? stasi-esk! gesünder fühle ich mich dadurch nicht. die diskrepanz zwischen meinem persönlichen erleben der reha und dem, was im abschlussbericht dargestellt wird, ist erheblich. es ist fast, als wäre ich nicht dabei gewesen.

den abschlussbericht übrigens habe ich inzwischen mit mehreren ärztInnen und anderen vertrauensmenschen besprochen. sie fanden die sozialdatensammelwut fragwürdig, die behandlung während der reha beschämend inkompetent und nicht auf der höhe der zeit. keinesfalls „individuell, ganzheitlich, der mensch immer im mittelpunkt“ - wie es im bunten hochglanzprospekt und auf der webseite der klinik hieß.

viel mehr ging es darum, sich ins klinikkonzept einzupassen und den standardisierten ablauf nicht zu stören. das könnte daran liegen, dass hinter der klinik eine gewinnorientierte GmbH steckt. individuelle behandlung bringt natürlich das qualitätsmanagement durcheinander. das ist nicht im sinne der teilhaber.

immerhin waren die mitarbeiterInnen – bis auf wenige ausnahmen – alle sehr freundlich. ich möchte auch niemandem die kompetenz absprechen. wenn mir aber die chefärztin vor allem wegen ihrer peeptoe highheels aus mausgrauem wildleder in erinnerung geblieben ist, dann liegt das sicher nicht nur an meiner selektiven wahrnehmung. die schuhe waren übrigens weder von manolo blahnik noch von chie mihara.

ich solle eine erwerbsunfähigkeitsrente beantragen und eine umschulung machen, hatte sie mir während der knapp zehnminütigen chefarztvisite in der vierten woche empfohlen. damit ich „endlich mal durchstarten“ könne. dabei sah sie mich aufmunternd an, als ob ich debil wäre.

welche informationen braucht die rentenversicherung jetzt noch? die klinik hat ihnen doch schon alles wissenswerte mitgeteilt über mich und noch ein paar wissensunwerte zugaben obendrein.

ich habe den eindruck, die spionieren mich jetzt umgekehrt genau so aus wie vorher die klinik. wie das essen war, lautet eine der fragen. ob viele behandlungen ausfielen? welche behandlungen ich wie oft erhalten hätte? ob ich‘s gut fand? ob‘s geholfen hat?

ich weiß nicht, was ich antworten soll. wie immer, wenn ich standardisierte multiple-choice fragebögen ausfüllen soll, habe ich das gefühl, gar nicht gemeint zu sein. es ist, als ob fragen und antworten für jemand anders gemacht wären.

kaum eine frage, die ich ohne anmerkung und ausführliche erklärung beantworten möchte. sonst wird das wieder missverstanden, so pauschal und beliebig interpretierbar wie die formulierungen sind.

ganz unscheinbar finde ich ziemlich weit hinten im kleingedruckten der fragebogenausfüllanweisung den satz: „aus einer teilnahme oder nichtteilnahme entstehen Ihnen weder vorteile noch nachteile.“ die meinen den fragebogen, nicht die reha. „falls Sie nicht teilnehmen möchten, müssen Sie nichts unternehmen.“

genau das werde ich heute tun. in aller ruhe und ausführlichkeit im letzten novembernebel stochern und „nichts unternehmen“.


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Samstag, 27. November 2010

goldene maßnahme no 2

hin und wieder stolpere ich bei meinen virtuellen streifzügen durchs WeltWeiteWeibernetz über echte kronjuwelen. die berühren mein herz, die helfen mir weiter, die begleiten meinen lebensweg. die tun mir gut, die machen mich manchmal sogar glücklich. denen möchte ich gerne danke sagen.

dafür habe ich die goldene maßnahme erfunden: ob und wie ich sie vergebe, entscheide ich jedes mal aufs neue. bedingungslos. spontan und subjektiv. ich bin jury, ich bestimme adressatin und zeitpunkt. ich halte die laudatio. oder auch nicht. je nach dem ....

mehr als sieben monate sind seit der goldenen maßnahme no 1 an das begabungsblog von nathalie bromberger vergangen. viel gutes habe ich seither gelesen – aber meine ansprüche sind hoch, und echte kronjuwelen sind selten.

doch nun ist es wieder so weit: ich habe eine seite entdeckt, von der ich von anfang an richtig richtig richtig begeistert war - und die schon nach kürzester zeit eine ständige begleiterin in meinem alltag geworden ist.

das büro für besondere maßnahmen proudly presents .... tataaaa .... trommelwirbel .... große fanfare .... tuschschsch

die goldene maßnahme no. 2 ....


für Mondyoga von Sabiene Schmelmer!

sabienes yogaseite ist ein wahrer schatz für mich: seit mehr als 25 jahren übe ich yoga mal mehr, mal weniger. meistens mit kurs, weil ich es zu hause und allein so schwierig finde, mich wirklich zu konzentrieren, mich abzugeben in die übung hinein. die energie ist so anders und viel unterstützender, wenn mehrere übende in einem raum sind. und wenn da eine ist, die mir sagt, was ich wann wie und wie lange machen soll.

mit großer disziplin habe ich es im ersten halbjahr 2010 geschafft, jeden morgen sofort nach dem aufstehen den sonnengruß zu üben. täglich. vor der arbeit. ich war sehr stolz auf mich.

seitdem ich nicht mehr hochschulsekretärin bin und morgens nicht mehr zeitig aus dem haus muss, kriege ich das nicht mehr hin. ich könnte mein yoga ja auch später machen. aber später findet nur selten statt. also quasi nie.

sabiene gibt mir mit ihrem mondyoga neue impulse. fast täglich schlägt sie ein bis zwei übungen (asanas) vor, die zum jeweiligen mondzeichen passen. das passt mir prima und wird auch nicht langweilig!

all ihre übungsanleitungen werden übrigens charmant begleitet von Karlheinz, ihrem holzfigurenmodell, auf den sie nur in ausnahmefällen verzichtet.

alle anregungen und erklärungen sind geprägt von achtsamkeit, sind seriös und liebevoll, warmherzig und klug und sooo kenntnisreich und fundiert, dass ich ihre täglichen vorschläge ohne bedenken akzeptieren und umsetzen kann. ich kann alles ganz mühelos einfach an meinen sonnengruß dranhängen.

das hilft mir, mich zu fokussieren - ich kriege mich gar nicht mehr ein vor freude. und dafür, liebe sabiene, möchte ich dir von herzen danken!


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Samstag, 20. November 2010

glückskind

es gibt so tage, da könnte ich zwitschern vor freude. da passieren in meinem prekären leben dinge, von denen ich nicht mal mehr zu träumen wage. aber plötzlich sind sie echt und wahr.

amsel 

neulich vor einem monat zum beispiel. da bekam das kleine alte auto nach vielen reparaturen gegen teuer geld eine neue TÜV-plakette. gegen sehr teuer geld, das ich im grund gar nicht besitze – und doch irgendwie aufgetrieben habe, weil mir das kleine alte auto so wichtig ist. es ist schwarz.

wenn es im vergangenen jahr eine doppelte abwrackprämie gegeben hätte für autos, die doppelt so alt sind: ich hätte sie vielleicht doch genommen. so aber habe ich diesen schrottwahnsinn nicht mitgemacht. das wäre mir zu billig gewesen. für nur zweieinhalbtausend ocken hätte ich mein kleines schwarzes nicht hergegeben.

die neue TÜV-plakette war gerade mal drei tage alt, da krachte unterm auto der auspuff ab. großer schreck! und große angst, jetzt noch mehr teure reparatur bezahlen zu müssen.

mein büro liegt ein bißchen am berg, die autowerkstatt ist weiter unten im dorf. wenn das auto mal nicht anspringt, kann ich einfach runterrollen. notfalls macht der werkstattmann auch hausbesuche. das ist ein echter schatz.

der werkstattschatz machte große augen, als er den weggebrochenen auspuff an der letzten schelle hängen sah. es war ihm wohl auch peinlich, dass sowohl er als auch der TÜV-man die marode stelle übersehen hatten.

nahm er also das auto sofort auf seine halbautomatische hebebühne, besah den schaden, diagnostizierte, dass er das mal eben schweißen könne und schickte mich auf einen spaziergang in die reben.

als ich nach einer knappen stunde zurück kam, saß der auspuff wieder gerade und hatte die schönste verstärkte und kunsthandwerklich verzierte schweiss- und lötnaht von allen. an der stelle geht der auspuff sicher nie wieder kaputt.

kosten der reparatur? „nix. das schenk ich dir.“ jetzt hat das kleine alte auto einen eingebauten talisman mit schutzengel. ich bin entzückt. meine innere finanzministerin ist es auch.

da war ich glückskind vor einem monat, und in dieser woche schon wieder:

auch der klapprechner, auf dem ich die besonderen maßnahmen produziere, ist nicht mehr der jüngste. er ist zwar noch nicht so alt wie das kleine schwarze auto, aber auch schon seit 2003 auf dem markt. kleiner als der große graue kasten davor. und schwarz.

im grunde tut der klapperrechner ganz zuverlässig, was ich will; hat ein starkes 2giga-herz und für meine zwecke ausreichend graue speicherzellen. vor gut zweieinhalb jahren habe ich ihn gebraucht gekauft bei einem rentner in einem der schönen nachbardörfer.

seit einer ganzen weile aber hat das kleine schwarze notebook eine ziemlich lästige eigenart: es geht bei der arbeit einfach aus. ohne vorwarnung. mittendrin. zack! bildschirm schwarz. digitale schlafkrankheit.

wenn ich‘s danach wieder hochfahre, erscheint eine horrormeldung, weiß auf schwarzem bildschirm: ‚bad RTC battery‘. großer schreck, immer wieder!

mit bösen BIOS-batterien habe ich keine erfahrung. immer wieder habe ich den rechner einfach durch mehrfaches ein- und ausschalten ans laufen gekriegt. datum und uhrzeit wieder neu eingestellt. tutto va bene bis zum nächsten mal.

es blieb die angst, dass mein kleines schwarzes notizbuch irgendwann mausetot bleiben könnte nach so einem absturz. und dass trotz bester datensynchronisierung auf externer festplatte die schönsten maßnahmen verloren gehen könnten.

angst auch, weil computerreparatur ja teuer ist, neues notebook gleichzeitig mit neuer TÜV-plakette sowieso jenseits meines prekären budgets. da habe ich ganz schüchtern den notebook-man im anderen dorf kontaktiert, ob er wohl eine idee habe, woran das liegt und ob man da was machen könne.

prompte email zurück „Bitte bringen Sie das Notebook zu mir. Ich werde es Ihnen reparieren. Es ist nur eine Kleinigkeit.“

als ich das laptop hinbrachte und nach den reparaturkosten fragte, sagte er „das kostet fast nichts.“

als ich das laptop wieder abholte und nach den reparaturkosten fragte, sagte er: „das kostet nichts.“

es war nur eine lötstelle. nebenbei hat der notebookschatz innen und außen alles geputzt, hat katzenhaare und kekskrümel entfernt und sogar die pfeilnachoben-taste repariert, die ich immer mit tesafilm gefixed hatte.

nun hat auch das kleine schwarze notebook einen eingebauten talisman mit schutzengel. ich bin entzückt. meine innere finanzministerin ist es auch.

er wollte wirklich gar kein geld. den mitgebrachten rotwein feinherb aus der winzergenossenschaft gegenüber und das stück blütenkäse aus dem bioladen hingegen nahm er gerne. ich war sehr gerührt.

ich bin sehr gerührt. so viel glückskind!
das es menschen gibt, die nicht nur das geld sehen, die andere werte leben.
das ist gut.
das tut gut.
das stärkt mein herz!


[wer hätte je gedacht, dass ich mal ein loblied auf – wenn auch ausgewählte – männer schreiben würde?! das ist die besonderste maßnahme von allen.]


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Freitag, 12. November 2010

letzte rose im herbst 2010

ende oktober oder anfang november - es ist jedes jahr ähnlich: mit großer wehmut verabschiede ich mich vom rosenduft, der meinen sommer begleitet hat.

Ikebana-Keramik: B. Weiß

in diesem jahr ist friesia die (vermutlich) letzte blühende duftrose von meinen zwölf dornen-feen, die auf dem garagendach wohnen. friesia, die so frisch nach zitronen duftet; die besonders frostharte, unermüdlich blühende, die auch im mai die erste war nach dem winterschlaf.

in der vergangenen woche habe ich diese eine nachzüglerblüte vom strauch geschnitten. innerhalb eines tages ist sie auf meinem schreibtisch verduftet und hat sich fallen lassen. seitdem liegen ihre petalen da herum und trocknen vor sich hin. sonnengelb. ich mag sie gar nicht wegräumen. draußen ist es grau.

herr de saint-exupéry ließ seinen kleinen prinzen sagen: „ce qu'ils (les hommes) cherchent pourrait être trouvé dans une seule rose …“ - „was der mensch sucht, kann er in einer einzigen rose finden.“

das finde ich zwar etwas übertrieben und plakativ, denn es gibt ne menge, was mir fehlen würde, wenn ich im leben nur diese eine rose hätte und keine mietzekatze, zum beispiel. oder all das andere zeug und erst die menschen, die mir wichtig sind. da gibt es durchaus einiges, wonach ich in meiner rose vergeblich suchen könnte.

aber es steckt schon eine menge wunder in jeder einzelnen von ihnen: nicht nur schönheit und duft der blüten. auch das wehrhafte der stacheln, das nährende der hagebutten. dass sie sorgfalt lehrt und verantwortungsgefühl, aufmerksamkeit fordert und pflege. weil sie mir vormacht, wie das geht: pause machen! weil sie hoffnung macht, zuversicht und die gewißheit, dass sie im nächsten sommer wiederkommt.

auf all das möchte ich keinesfalls verzichten - alors je suis responsable de la rose....


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Montag, 8. November 2010

flattr - der flatterknopf

ihr habt ihn bestimmt schon entdeckt, den kleinen grünen button in der linken spalte, unter dem foto vom duftenden rosenblütentee:


rose: fisherman's friend (austin) / rosenblütentee im glas


das büro für besondere maßnahmen verwendet diesen button seit etwa vier monaten. schon längst mal wollte ich ein paar zeilen schreiben über das was und warum und meine erfahrungen damit. heute ist es endlich so weit.

'flattr' ist englisch und bedeutet „schmeicheln“. wer den button klickt, landet im portal von flattr, einem micro-payment service. dort kann jedeR mitmachen für einen monatlichen betrag von mindestens zwei euro, auch wer keine eigene webseite hat. anderen webseiten, die ebenfalls dabei sind, kann man als ausdruck von dank & wohlwollen einen kleinen geldbetrag zukommen lassen, indem man den 'flatterknopf' - so nenn' ich den neudeutsch für mich - auf deren seite anklickt.

hin und wieder benutze ich flattr, um anderen blogs, die ich gut und wichtig und erfreulich finde, ein bißchen anerkennung zu spendieren.

vor allem aber benutze ich es regelmäßig, um mich bei meiner lieblings-tageszeitung für deren unschlagbaren kostenlosen onlinedienst zu bedanken. ein abo der taz könnte ich mir – prekär wie ich derzeit bin - nämlich nicht leisten. trotzdem habe ich sie täglich auf meinem schreibtisch. das finde ich gigantisch generös.

ich selbst habe übrigens via flattr bisher nicht einen einzigen cent bekommen. weder hier im büro für besondere maßnahmen noch drüben im katzencontent. das grämt mich nicht. es bestätigt allerdings eine vermutung, die ich von anfang an hatte:

flattr wird den kleineren blogs nicht viel bringen. statt dessen findet eine art umverteilung statt von vielen ‚kleinen‘ blogbetreiberInnen hin zu großen contentanbietern, bei denen sich dann das geld mehr oder weniger sammelt.

immer und an jedem flatterklick verdient natürlich flattr selbst, nämlich 5% von jedem euro, der zwischen den webseiten hin oder her fließt. am meisten aber verdient das onlinezahlungsportal paypal. die kriegen mindestens 5% von jedem euro, der bei flattr eingezahlt wird.

das wurmt mich ein bißchen. runde 10% vom kuchen nur für die verwaltung sind für meinen geschmack ein bißchen viel. andererseits will so ein portal ja auch gedingelt sein, und das kostet eben.

am meisten wurmt mich natürlich, dass ich nicht selbst auf die geniale idee gekommen bin, mich für das hin- und herschieben von geld bezahlen zu lassen. dann hätte das büro für besondere maßnahmen inzwischen eine luxus-aussicht.

aber was nicht ist, kann ja noch werden:

wer sich also bei mir einschmeicheln möchte oder wer sich von meinen texten und bildern so dermaßen geschmeichelt fühlt, dass sie ganz dringend ein paar cent dafür ausgeben möchte, macht den flattr und klickt sich da durch:

(hier steht seit Dezember 2014 kein Link mehr. Warum nicht? Siehe unten)

dies ist übrigens ein reines erklärstück. keine werbesendung. ich erhalte keinerlei provision. leider.





ps1.

das Büro für besondere Maßnahmen hat über Flattr bisher folgende schmeicheleinheiten erhalten:
2010 - 0,90 €
2011 - 0,22 € 
2012 - 1,07 €
2013 - 0,33 € 
2014 - 0,12 €
summe einnahmen seit 2010: 2,64 €

das Büro für besondere Maßnahmen hat über Flattr bisher an andere webseiten verschmeichelt:
2010 - 18,00 €
2011 - 22,00 €
2012 - 33,00 € 
2013 - 25,00 €
summe ausgaben seit 2010: 98,00 €

(stand juni 2014)


ps2.
(im Dezember 2014)

Meine Ausgaben im Micro-Payment-Service "flattr" haben in den fünf Jahren meiner Teilnahme die Einnahmen um das fast 40-fache überstiegen. Irgendwann muss man auch den schmeichelhaftesten Realitäten ins Auge sehen – DAS hat sich nicht gelohnt. Zudem hat flattr die Konditionen sehr zu meinen Ungunsten verändert. Daher habe ich das Experiment im Herbst 2014 beendet und (als besondere Maßnehme!) meinen Account bei flattr nicht erneuert. Damit verbunden habe ich natürlich auch alle Links dorthin entfernt. Falls ich einen übersehen habe, dürft Ihr mich gerne darauf hinweisen.
Allen, die mich auf diese Weise unterstützt haben, an dieser Stelle noch einmal einen herzlichen Dank!

Auch die Option, mir über paypal etwas zu spendieren, habe ich eingestellt. Trotzdem freue ich mich aufgrund kontinuierlicher Unterkapitalisierung auch weiterhin über jede Unterstützung. Wer mir also unbedingt etwas (finanziell) Gutes tun will, schreibt mir bitte eine eMail, dann finde ich eine Möglichkeit – die allerdings nicht mehr anonym sein wird. 

Merci & 1000Rosendank!

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Montag, 1. November 2010

allerheiligen

mit dem christengott steh‘ ich nicht auf sonderlich gutem fuße. das mag zum einen daherkommen, dass ich von den eltern nicht getauft wurde. der vater evangelisch, die mutter katholisch hatten sie ganz diplomatisch beschlossen, dass ich mir meine religion selbst aussuchen dürfe, sobald ich alt genug dazu sei.

tibetische klangschale / kuan yin / katze speckstein

als ich alt genug war, konnte ich mich nicht entschließen, an einen sogenannten lieben gott der christen zu glauben. erst recht nicht an einen, der so dermaßen jähzornig, cholerisch und unnütz strafend ist, dass er die einzigen beiden menschen aus dem paradies wegschickt, bloß weil sie neugierig waren.

eine so zutiefst unmenschliche religion, die mehr als die hälfte der menschheit der anderen knappen hälfte als unterlegen ansieht, wollte mir nicht ins herz. für – vorsichtig ausgedrückt – ‚frauenunfreundliches‘ verhalten hatte ich schon sehr früh sehr feine antennen.

all diese biblische unlogik jedenfalls von der angeblich jungfräulichen empfängnis und diese himmelschreiende ungerechtigkeit, dass nur männer spaß haben dürfen, während frauen dazu da sind, ihnen die füße zu waschen und zu küssen (stimmt die reihenfolge, wenigstens?) fand ich schlichtweg abstoßend.

so war ich in der schule vom religionsunterricht befreit. weil ich aber unter aufsichtspflicht stand, saß ich dann doch dabei – brauchte mich aber nicht zu beteiligen und konnte ganz unvoreingenommen zuhören. vor allem hatte ich keinerlei druck, irgendetwas glauben zu müssen, nur um eine gute note zu kriegen.

die geschichten aus der bibel fand ich brutal und garstig. am allergarstigsten ist die stelle im kapitel 19 der genesis, wo herr lot göttlichen besuch hat. das war den anderen bewohnern von sodom eine willkommene gelegenheit, sich lüstern vor lots haus zusammenzurotten in der absicht, sich unzüchtig über die gäste herzumachen: „Heraus mit ihnen, wir wollen mit ihnen verkehren.“ und was macht der herr lot? um seine gäste zu retten, bietet er der geilen bande seine jungfräulichen töchter an: „Aber meine Brüder, begeht doch nicht ein solches Verbrechen! Seht, ich habe zwei Töchter, die noch keinen Mann erkannt haben. Ich will sie euch herausbringen. Dann tut mit ihnen, was euch gefällt. Nur jenen Männern tut nichts an ....“

dafür wird lot dann auch noch vom ‚lieben‘ gott gerettet. ich lernte also aus der bibel: christen finden es nicht sonderlich schlimm, jungfrauen zu vergewaltigen. männer zu vögeln ist viel schlimmer. na vielen dank.

so wurde das also nichts mit mir und dem christengott. und das wird auch nichts mehr. nicht in diesem leben. als christin hätte ich ja sowieso bloß eines. damit hat sich das thema dann auch für meine nächsten leben ohnehin erledigt, weil wiedergeburten aus christlicher sicht nicht vorgesehen sind.

meine reisen in südostasien (hier vor allem nepal), meine philosophischen studien, ein auslandsjahr in japan und – ich werde es nie vergessen! - ein persönliches interview mit seiner heiligkeit dem dalai lama haben mich buddhistin werden lassen.

die buddhistische toleranz kommt mir entgegen: es gibt keine götter, an die ich widerspruchslos glauben soll. falls jemand andere gottheiten anbeten möchte als ich selbst: nur zu - die werden einfach in den kosmos integriert. jedes hat seine aufgabe.

der buddhismus ist eine weltanschauung, eine lebenseinstellung. noch dazu eine, die mit einem einzigen essentiellen satz zum ausdruck gebracht werden kann:

jedes wesen ist auf der welt, um anderen zu helfen; wenn wir anderen – aus welchen gründen auch immer – nicht helfen können, dann sollten wir ihnen zumindest nicht schaden.

sehr einfach. sehr schlicht. und doch gar nicht immer so leicht umzusetzen. ich bin keine von den allerheiligsten.

meine persönliche allerheilige habe ich natürlich auch. natürlich eine frau: die grüne tara. in tibet der weibliche buddha des mitgefühls. in china bekannt als kuan yin. in japan heißt sie kannon.

die grüne tara schützt vor den acht arten der angst und hält den unterschied zwischen den geschlechtern für ein trugbild. als der dalai lama neulich vor ein paar jahren verkündete, dass seine nächste inkarnation auch weiblich sein könne, da hätte ich ihn am liebsten geküsst. leider lagen da schon wieder ein paar tausend kilometer zwischen uns.

die grüne tara begleitet und schützt mein leben, sie ist immer dabei. die grüne kuan yin aus chinesischem porzellan schmückt meine wohnung. sie geht mit auf reisen und begleitet mich auch virtuell als avatar.

auch ihr mantra gehört zu meinem alltag. es ist kurz, ich kann es mir gut merken:

om tare tuttare ture soha
(sehr frei: om grüne tara, du freie frau, die schnell hilft: ehre sei dir)

eine, die es ganz besonders schön chantet, ist die nepalesische nonne (ani) choying drolma. hier zum mitsingen bei youtube.


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