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Montag, 30. September 2013

zwei königinnen

- rosenworte zum montag -

dieser montag ist grau und nebelfeucht. auf dem tisch in der vase erzählen ein paar rosenblüten von erst kürzlich vergang'nen sommertagen. die katze plaudert mit.

Ginivra & Duftwolke

"Ich habe zu Hause zwei Wesen, die kratzen,
Rosen und Katzen,
zwei königlich Wesen, die schmeicheln und kosen,
Katzen und Rosen."

(Zitat unbekannter Herkunft aus: 
"Rassekatzen" von Annelie Durth, Verlag Oertel + Spörer)

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Freitag, 27. September 2013

postkasten

- besondere maßnahme no. XXXI -

könnt ihr euch noch erinnern, wann ihr die erste email geschrieben habt? an wen? oder von wem ihr die erste elektronische post erhalten habt?

ganz ehrlich? ich weiß es nicht mehr. es muss irgendwann ende der 90er jahre des vorigen jahrtausends gewesen sein, ist also im grunde noch gar nicht so lange her. vor allem, wenn ich bedenke, dass ich schon seit anfang der 80er jahre mit computern arbeite.

Blaubeeren aus Russland

was ich noch sehr gut weiß, ist, dass sich einige pressestellen sehr darüber wunderten, dass ich in meiner redaktion eines berliner ard-senders bis zum ende des jahres 2000 keine persönliche email-adresse hatte (das wurde als unnötig betrachtet) – während ich privat schon längst online vernetzt war.

anfangs freute ich mich sehr über das papierärmere büro. es war eine erleichterung, weniger altpapier zum container tragen zu müssen. dass aber irgendwann mein analoger postkasten mit ausnahme von rechnungen und unerfreulicher post vom amt so gut wie leer bleiben würde – das konnte ich mir damals nicht vorstellen.

heutzutage kommen kaum noch persönliche briefe oder karten an. der briefträger, den ich früher sehnsüchtig erwartete, weil er mir oft so schöne bunte dinge mit abenteuerlichen briefmarken aus der fremde brachte, hat seinen zauber verloren.

im digitalen zeitalter kommen nicht nur urlaubsgrüße als sms, als allgemein gehaltene rundmail oder gleich als öffentlich auf facebook gepostetes knipsefoto, sondern sogar todesanzeigen. der persönliche gruß, die handverlesene karte samt liebevollst abgeschleckter briefmarke sind pure nostalgie.

Englische Telefonzelle aus Thailand

innehalten unterwegs oder manchmal auch im alltag, sich über den eigenen standort klar werden und den daheim verweilenden oder freundInnen in der ferne handschriftlich mitteilen, wie es gerade geht und dass ich an sie denke - das wird zumeist nur noch als lästige zeitverschwendung und unnötige geldausgabe angesehen.

schade.

längst ist mein postkasten kaum mehr als dekoration am hauseingang. es gibt keine überraschungen mehr. seit jahren schon öffne ich die briefkastenklappe nicht mehr in neugieriger vorfreude, sondern mit einem angstvollen klumpen im magen. auf rechnungen und deutschgraue amtsbriefe würde ich gerne verzichten. die teure edelstahlkiste könnte man von mir aus ruhig abhängen. das darf ich als gute bürgerin aber nicht.

da ich weder den briefkasten entfernen noch den empfang unliebsamer post abstellen kann, musste für das postalische gleichgewicht eine besondere maßnahme her:

vor ein paar monaten habe ich mich angemeldet bei Postcrossing. das ist eine art versandportal für echte postalische schneckenpostpostkarten. wenn ich eine postkarte schreiben möchte, erhalte ich eine zufällige anschrift irgendwo auf der welt. sobald meine postkarte dort als 'angekommen' registriert wird, wird meine adresse an jemand anderen verlost.

das projekt Postcrossing besteht als webseite seit 2005. mehr als vierhunderttausend "postcrossers" haben bisher fast 20 millionen postkarten weltweit hin und her und kreuz und quer geschickt.

anfangs war ich skeptisch. aber es funktioniert – unkompliziert und kostenlos, und es macht spaß.

Orchideen aus Israel

es ist natürlich ein unterschied, ob mir ein guter freund von seinem ausflug ans andere ende der welt einen lieben herzensgruß schickt – oder ob eine unbekannte aus irgendwo mir ein paar freundliche zeilen smalltalk auf eine postkarte schreibt.

trotzdem: in jeder karte steckt ganz viel persönliches, liebevolles gestalten und nachdenken über die frage „wie kann ich dieser fremden person, deren anschrift mir nun mitgeteilt wurde, eine freude machen?“

es ist nicht ganz das „echte“ gefühl - eher ein bißchen 'pseudo'. wie kaffeesurrogatextrakt - und doch bringt es in meinen täglichen gang zum briefkasten wieder ein bißchen vorfreude, so wie früher. ich lass ihn noch eine weile hängen.

postcrossingkarten schreibe ich zwei bis drei mal im monat. fast ebenso viele erhalte ich auch.

mein persönlicher nebeneffekt: zusätzlich schreibe ich auch wieder mehr postkarten an 'meine' leute, die in aller welt verstreut leben. einfach so. ich hoffe, sie finden das nicht allzu schrullig.


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Montag, 23. September 2013

romy

- rosenworte zum montag -

es wäre ihr 75. geburtstag heute. sie hat rosen sehr geliebt. ihr leben war nicht immer nur rosenduft.

Charles Austin (David Austin, 1973)

Romy Schneider wollte von ganzem herzen sie selbst sein, wollte respektiert und geliebt werden, wie sie wirklich war. auch wenn das anderen, die sie gerne lebenslänglich als Sissi gesehen hätten, nicht immer ins konzept passte. sie blieb konsequent. bis zum schluss.

"Manchmal muß man einfach nach seiner Nase gehen.
Auch wenn man sie sich dabei mal einschlägt." 


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Montag, 16. September 2013

gezähmt

- rosenworte zum montag - 

vor ungefähr einem jahr erhielt ich ein kleines geldgeschenk von einer leserin* in der wunderbaren absicht, dass ich nicht nur über steine, sondern auch über schöne momente stolpern möge.

nun, ich habe die summe noch im herbst in einen rosenstock, beste erde und einen schönen terracotta-kübel investiert, eine immergrüne alchemilla dazu kombiniert und das ganze über den winter auf meinem balkon ruhen lassen, gut eingepackt.

die duftende Veronique B.** von Guillot

im frühjahr wurde ausgepackt, regelmäßig angesehen, schädlinge entfernt, pilze gebannt, wegen später fröste noch einmal eingepackt, später erneut ausgewickelt, mit rosenpflaster verarztet, geschnitten und drei mal täglich auf dem halbschattigen balkon hin und her geschoben, damit sie immer in der sonne steht.

mehr als vierzig blüten hat die schöne Veronika mir im lauf des sommers geschenkt. sogar jetzt noch treibt sie neue knospen. gerade so, als ob sie mir vor dem winter eine ganz besondere freude machen wollte.

die blüten machen sich bestens in der vase, der ganze raum ein rosenaroma. über diese duftigen momente stolpere ich gerne!

um es mit dem kleinen prinzen zu sagen: ich habe diese rose gezähmt, habe sie mir vertraut gemacht, und nun bin ich für sie verantwortlich.

"C’est le temps que tu as perdu pour ta rose 
qui fait ta rose si importante." ***


*
großer rosendank an WY. ich freue mich täglich!

**
benannt wurde die rose nach der schweizer schmuckdesignerin Véronique Brandon, die in bemerkenswerter unabhängigkeit kreativ ist.

***
"Die Zeit, die du an deine Rose verloren hast, sie macht deine Rose so wertvoll." - sprach der fuchs zum kleinen prinzen, im 21. kapitel. den französischen originaltext von Antoine de Saint-Exupéry, übrigens, gibt es hier als kostenloses ebook.


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Montag, 9. September 2013

herbst. zeitlos.

- rosenworte zum montag -

der späte sommer ist "meine" jahreszeit. deswegen heißt er auch altweibersommer. es ist die zeit der zeitlosen gewächse. nicht rose noch lilie und dennoch schön anzusehen, wenn der herbst kommt:

Weder Krokus noch Safran: Herbstzeitlose

der gärtnerin ein hübsches glück, der landwirtin eher unglück ist die lila herbstzeitlose: hochgiftig für mensch und tier. in der homöopathie hingegen gilt sie als heilend gegen gicht.

so hat denn auch diese schönheit ihre zwei seiten, mindestens - je nach standpunkt der betrachterin. ich bin sehr froh, dass es in unserer durch und durch optimierten und rationalisierten zeit noch orte gibt, an denen blumen auch mal giftig sein dürfen, ohne dass ihnen gleich mit dem flammenwerfer zuleibe gerückt wird.

Wiese am Kirnbergsee, Hochschwarzwald
zeitlos. zwecklos. unbehelligt vom botanischen rassismus, der unweigerlich in einen pflegeleichten rentnergarten gipfelt. deswegen augen auf, damit uns das erspart bleibe:

"trau nicht dem ort,
an dem kein unkraut wächst"

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Donnerstag, 5. September 2013

dos 14

im leben einer alkoholikerin ist der erste nüchterne tag sehr wichtig, erst recht, wenn er in ein lange zeit alkoholfreies leben führen soll. im allgemeinen weiß eine das erst hinterher, für WIE lange. bei mir werden es heute vierzehn jahre.

archivbild: leicht verkatert, aber genußfreudig
 (*, **)

manche nennen diesen tag ihren „zweiten geburtstag“. für mich passt das nicht, denn ich bin nicht ein zweites mal geboren. ich war vorher nicht tot und auch nicht lebensunfähig. mein geburtstag bleibt mein geburtstag, das war eine einmalige angelegenheit.

ich nenne diesen jahrestag heute meinen „dry day“. gestern vor 14 jahren habe ich wissentlich und willentlich die letzten alkoholhaltigen getränke zu mir genommen, in bester gesellschaft und zu einem phantastisch leckeren essen: einen feinen brut d'alsce, den heiteren sancerre. einen soliden hennessy zum schluss. lecker war's. adieu.

dass ich nie wieder damit angefangen habe, trotz bisweilen ziemlich widriger lebensumstände, dazu muss ich mir mal kurz selbst auf die schulter klopfen.

ich habe damals aufgehört, weil ich mir im spiegel wieder grade in die augen sehen können wollte.
meiner würde wegen.
weil ich so manches so satt hatte.
dass ich mich nicht mehr auf mich selbst verlassen konnte, zum beispiel.

aber es scheint, als sei mein leben auf eine schiefe bahn geraten. just in dem augenblick, als ich beschloss, straight & sober zu sein, um endlich mich und mein leben zu retten.

als ich noch alkohol trank,
war ich beruflich erfolgreich, hatte ich eine sichere wohnung, einen schönen mann, ein eigenes auto.
ich war körperlich fit, habe viel gelacht, und das leben war leichter.

jetzt trinke ich keinen alkohol mehr,
bin schon lange nicht mehr beruflich erfolgreich,
und habe satte 20 kg zugelegt.
die wohnung ist nicht mehr sicher, auch nicht mein 'zuhause',
der schöne mann längst fort,
das auto .... naja. wenn es denn die bezeichnung noch verdient - wird nächste woche 20.

mir ging es noch nie so schlecht in meinem leben - gesundheitlich, finanziell, seelisch, menschlich – wie im letzten jahrzehnt. ich habe keine ahnung und auch nicht mehr viel hoffnung, dass und wie das jemals wieder besser werden soll. von 'gut' wage ich schon gar nicht mehr zu sprechen.

ohne es zu wollen, bin ich in diesen 14 jahren ohne alkohol eine dicke, einsame, mittellose und verbissene alte geworden. eine richtig schlechte partie. manchmal weiß ich wirklich nicht, wozu ich überhaupt noch auf- oder die nächsten fünf minuten überstehen soll.

nur die würde, die mir aus dem alkoholfreien leben erwächst, die habe ich mir bewahren können. auch wenn das jobcenter seit jahren alles ihm mögliche veranstaltet, um mir auch das noch zu nehmen.

meine würde ist ein verdammt trocken brot.


*
ich löffle ein eis. und ich trage diesen schicken weißen taxifahrer-handschuh, weil ich im sommer eine sonnenallergie an den händen habe ....

**
das copyright für dieses foto gehört ausnahmsweise mal nicht mir, sondern jemandem, den ich grade nicht um erlaubnis fragen kann. hey CR, falls dich das bild hier nervt, just tell me.
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Montag, 2. September 2013

sweet rose of maunawili

- rosenworte zum montag -

heute vor 175 jahren wurde sie geboren:  Lili'uokalani, die letzte königin des inselstaates hawai'i.

mit 'hawai'i den hawai'ianern' kämpfte sie heftig gegen die annexion ihres landes durch die vereinigten staaten. hawai'i verlor und wurde 1898 von den USA übernommen.

königin Lili'uokalani gründete schulen, um besonders mädchen eine gute bildung zu ermöglichen.

außerdem war sie musikalisch begabt: mehr als 150 kompositionen hat sie hinterlassen. einige davon finden sich auf der wunderbaren CD "Na Mele Hawai'i: A Rediscovery of Hawaiian Vocal Music", eingespielt vom "Rose Emsemble" aus minnesota (US).

darunter auch ihr wohl berühmtestes lied aloha'oe, ein romantisches abschiedslied, mit dem unzählige schiffe auf hawai'i begrüßt oder auf see geleitet wurden:


... I have seen and watched thy loveliness
thou sweet rose of maunawili
... farewell to thee ...

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